Chum mit, mir gönd uf Breme

Im grüene Tal bim Wasserfall schtoot e Müli gäbig baut
Als Chnächt bin ich döt aagschtellt gsi, alli händ mir blind vertraut
Etz wird ich schwächer jede Tag, de Müller brucht en schtarche Maa
Drum hät är mich zum Tüüfel gschickt, mo luege wo ich läbe cha

Im Schtädtli gsesch e Bürgerhuus, prunkvoll, prächtig, gross und schöö
Ich ha döt gschafft als treui Magd, bis ich umgheit bi im Schnee
Im Bürgerhuus goot s Läbe wiiter nur sit geschter ooni mich
E bööses Bei, en prochne Arm, de Bürgersfrau isch da doch gliich

Wär cha und will do luschtig sii wänns am an Chrage goot
Chum mit, mir gönd uf Breme, und döt nämed mir e Boot
Si händ üs wüescht behandlet, mir sind wie Vee im Schtall
Öpis bessers als de Tod findsch würkli überall

Im Pfarrhuus mo e Ornig sii, en Pfarrer weiss genau wiso

Ich ha döt gchochet jede Tag dänn isch e Jungi, Schööni cho

S Pfarrhuusläbe isch e Freud, de Pfarrer hät all Händ voll z tue

E aalit Pfanne wirft me furt, di Neui loot är nid in Rue

S Gsindel schpeersch im Gfängnis ii, sind alles schlimmi Finger gsii
Döt han ich für Ornig gsorgt und für Aaschtand obedrii
Bi langsam aalt und schwächer worde mag da Eländ nümme gsee
Hüt händs mich gschickt, wird nümme brucht, halb blind halb taub herjeeminee

Wär cha und will do luschtig sii wänns am an Chrage goot
Chum mit, mir gönd uf Breme, und döt nämed mir e Boot
Si händ üs wüescht behandlet, mir sind wie Vee im Schtall
Öpis bessers als de Tod findsch würkli überall

Uf em wiite Wäg noch Breme merked alli zimlich gschwind
Si bruuched Gäld für d Überfaart wills mee als nume abbrännt sind
Si mached Musig i de Schpünte, und si singed uf de Schtroos
Und wos de Chlütter zäme händ gots ändlich Richtig Breme los


En Wächter und e aalti Magd, e Chöchin und en Mülichnächt
Händs wiit brocht und händ zämeghebt, ich säg da isch weissgott nid schlächt
Schtönd uf em Deck und lueged zue wie Breme langsam chliiner wird
Söll käine cho und umegee, si hegeds nid emol probiert

 

Das Märchen der Bremer Stadtmusikanten hat bei mir schon als Kind Fragen aufgeworfen. Ich habe nie begriffen, warum die vier Tiere (?) nach Bremen wollten, dann bekanntlich doch nicht ankamen und trotzdem die Bremer Stadtmusikanten genannt wurden. Dafür haben sie Räuber ausgeraubt; man soll/darf nicht stehlen, aber von jemandem, der gestohlen hat zu stehlen ist in Ordnung? Wenn sie wenigstens – so wie Robin Hood – die Beute auch sozialisiert hätten.
Viel später habe ich gelernt und herausgefunden: Das waren gar keine Tiere, das waren Menschen, die nach einem ganzen Leben mit harter Arbeit mit fadenscheinigen Argumenten entlassen wurden; ohne Sozialversicherung, ohne Rente ohne Erspartes. Aber mutig waren sie, mutig und solidarisch. Sie wollten – noch im hohen Alter und gezeichnet – auswandern. Darum Bremen, die Stadt mit dem klassischen Hafen der Auswandererschiffe, wo jährlich hunderttausenden die Überfahrt in ein besseres Leben wagten.

 

© Christoph Bürgin, pomeranzenmusik.ch