Der Mann, der die Sirenen zum Heulen bringt

And now for something completely different oder: das war mein bisher grösses Publikum. Eher so aus dem beruflichen Umfeld.

Christoph Bürgin ist bei der Schaffhauser Polizei für die 80 Sirenen im Kanton zuständig.
Wir haben ihn gestern Mittwoch beim grossen Sirenentest begleitet.
Autor – Daniel Zinser, Schaffhauser Nachrichten

Der erste Mittwoch im Februar ist ein ganz spezieller Arbeitstag für Christoph Bürgin. Er, der bei der Abteilung Bevölkerungsschutz der Schaffhauser Polizei für die 80 stationären und sieben mobilen Sirenen im Kanton Schaffhausen zuständig ist, muss diese während des schweizweiten Sirenentests auf ihre Funktionalität überprüfen. Wenn nur eine Anlage nicht funktioniert, muss diese sofort repariert oder ausgetauscht werden, im Ernstfall wird jede Einzelne benötigt, um die gesamte Bevölkerung zu erreichen.

Alarmmeldungen an über 7000 Sirenen

Punkt 13.30 Uhr wird in der Einsatzzentrale der Schaffhauser Polizei der erste Probealarm gestartet. Oben auf der Breite, wo Christoph Bürgin im Zeughaus das System kontrolliert, ist rund 30 Sekunden später die erste Sirene zu hören. Wenige Augenblicke danach tönt es auch aus der Anlage auf dem Dach des Zeughauses in voller Lautstärke. Christoph Bürgin nickt zufrieden. Die Zeitverzögerung sei ganz normal, erklärt er, schliesslich müsse der Server zur gleichen Zeit Alarmmeldungen an die über 7000 stationären und mobilen Sirenenanlagen in der ganzen Schweiz schicken. Dass der Server damit später noch Probleme kriegen soll, weiss zu diesem Zeitpunkt noch niemand.

«Wenn einen die Sirenen das ganze Jahr hindurch begleiten, ist man natürlich neugierig ob alles funktioniert.»

Nachdem der Alarmton – ein regelmässig auf- und absteigender Heulton von einer Minute Dauer – verstummt, kontrolliert Christoph Bürgin im System die Rückmeldungen. Nach kurzer Zeit ist klar: Alle 80 Sirenen haben reibungslos funktioniert. Grosse Freude beim Verantwortlichen. «Wenn einen die Sirenen das ganze Jahr hindurch begleiten, ist man natürlich neugierig ob alles funktioniert.» Umso grösser sei die Freude dann, wenn alles reibungslos klappt.

Probleme in Stein am Rhein

Exakt fünf Minuten nach dem ersten Alarm sind die schrillen Töne aus den zahlreichen Sirenen erneut zu hören. Auch dieses Mal verläuft die Kontrolle zufriedenstellend. Fast. Aus Stein am Rhein kommt eine Fehlermeldung. Eine der dort stationierten Sirenen hat offensichtlich nicht wunschgemäss funktioniert. «Ich weiss nicht genau, was die Fehlermeldung provoziert. Da müssen wir nun auf die schriftliche Stellungsnahme des Alarmierungsverantwortlichen aus Stein am Rhein warten.» Währenddessen geht die Testerei der Sirenen weiter. Der dritte und vierte Anlauf liegen nun ganz im Verantwortungsbereich von Bürgin. Er dreht einen Schlüssel, drückt einen Knopf, wartet rund 30 Sekunden und schon heulen die Sirenen wieder im ganzen Kanton. Wieder kommt die Fehlermeldung aus Stein am Rhein, ansonsten läuft alles problemlos. Die Rückmeldungen kommen nun verzögert rein. Offensichtlich hat der Server mit der grossen Datenmenge zu kämpfen. Vor der vierten Testalarmierung fällt der Server dann komplett aus. Schweizweit. (lesen Sie dazu den Test in der linken Spalte)

Für den letzten Test geht’s unters Dach

Im Zeughaus wird das in diesem Moment aber kaum wahrgenommen. Bereits ist die letzte der drei Testphasen in Vorbereitung. Zum Schluss muss jede der 87 Sirenen separat getestet werden. Dazu steigt Bürgin in den Estrich des Zeughauses hinauf. Hier, gleich unter dem Dach, ist die Sirene angeschlossen. Wieder folgt punktgenau zur richtigen Zeit das gleiche Prozedere. Mit dem Schlüssel wird das Kästchen mit der Steuerung geöffnet und der Knopf gedrückt. Gleichzeitig passiert dies an 80 weiteren Standorten. Sekunden später ertönt aus der direkt darüberstehenden Sirene ohrenbetäubender Lärm. Nach einer Minute ist der Spuck aber schon wieder vorbei. Die Anlagen verstummen ein letztes Mal für diesen Tag. Christoph Bürgin lächelt zufrieden. Der Test ist mehr oder weniger problemlos verlaufen. Nun gilt es die ganzen Rückmeldungen aus dem ganzen Kanton zu verarbeiten. «Nun interessiert mich natürlich, wieso die Sirene in Stein am Rhein eine Fehlermeldung zurückgeschickt hat», schmunzelt Bürgin und macht sich auf den Weg in sein Büro.