Sophie, ich habe nachgedacht

Es schreibt der Blick: Sophie Hunger (33) erhielt vom Bundesamt für Kultur (BAK) 100’000 Franken Fördergeld, was in der Musikszene nicht gut ankam.
Dazu möchte ich gerne auch noch meinen Senf dazugeben, ich zähle mich schon auch ein bisschen zur „Musikszene“, und bei mir kam das ganz anders an.

Die vom Blick, der Schweizer Illustrierten und dem DRS gehätschelten und immer prominent in Szene gesetzten Polo Hofer, Chris von Rohr, Mark Fox können es nicht fassen, dass Sophie Hunger so viel Geld für so eine bescheidene Mucke erhält. Ja, wenn vom BAK über ihnen das Füllhorn ausgeschüttet worden wäre, dann wäre das wohl nichts als verdient gewesen.

Ich vermute hinter der ganzen Neidhammelei nichts anderes als einen Stellvertreterkrieg. 100’000 Schtutz von unseren Steuergeldern, 100’000 Schtutz für Kulturförderung, Anerkennung und Lohn. 100’000 Schtutz mit denen vermeintlich viel im Musikbusiness bewegt werden kann. Dass dem nicht so ist weiss jeder, der schon einmal eine internationale Produktion oder eine grössere Tournee organisiert hat. Der weiss, was Studio, Logistik und Management verschlingen. Mit 100’000 Franken kommt ihr weiss der Geier nicht weit.

Ich habe mal nachgerechnet: für 100’000 Schtutz „arbeitet“ ein Herr Vasella von der Novartis 0.4 Wochen, Herr Ermotti von der UBS muss schon 0.55 Wochen ran und der arme Mr. Dougan von der CS gar deren 0.63 Wochen schuften.
Sehen wir uns die Schweizer Grossverdiener, die von unseren Steuergeldern und Gebühren bezahlt werden an, wird es richtig traurig: Herr Meyer von der SBB muss, um 100’000 Franken zu verdienen, ganze 4.85 Wochen absitzen, Herr De Weck von der SRG deren 9.29!
Ich bin überzeugt, das sind die wirklichen Abzocker, Abräumer und Feindbilder. Nur: über diese Herren ist von Seiten der Altrocker noch nie hergezogen, geschweigen denn ein Liedchen gesungen worden. Es könnte ja sein, dass sie dann nicht mehr im Fernsehen auftreten dürfen – jedenfalls nicht mit diesem Liedchen.

In den ganzen Schweizer Heimatrocksongs fehlt der politische Bezug: Lieder über Arbeitslose, Altersarmut, Flüchtlinge, marode AKWs und den Filz im Bundeshaus gehörten mit in den Katalog. Die Mediale Präsenz könnte von den genannten Herren auch ausnahmsweise mal für ein politisches Statement genutzt werden statt über Kollegen herzuziehen.

Bleibt auf dem Teppich, reibt euch die Augen! 100’000 Schtutz für Sophie Hunger ist für die einen ein Pappenstiel, für die andern Öl ins Feuer. Ich vermute: Si schlönd de Sack und si meined de Esel.