Mach Bitte No E Füür

Bald sind wieder die Rauhnächte. Hier ist mein Lied dazu:

Eine ungefähre Übersetzung für meine Freunde aus Deutschland und Österreich:

Zünd bitte noch ein Feuer an

Zünd bitte noch ein Feuer an
Es hat geschneit und es ist kalt
Eine Bise* weht ums Haus
Die Rauhnächte hängen in den Bäumen
Heute ist der Monat Mai*
Mit dem alten Jahr ist es bald aus

Zwischen den Jahren – jedes Jahr dasselbe
Falls Du an Gott glaubst hast du es gut
Es braucht einen Dieb
um einen Dieb fangen zu können
Einer, der genau weiss wie es funktioniert

Schenk bitte nochmal ein
Wir haben temperierten Wein*
Und der wird heute nicht alt
Leere Köpfe und
Volle Bäuche
Hörst du wie die Füchse im Wald bellen?*

Leg bitte noch Holz nach
Wir haben gewiss genug davon
Haben es selber im Wald geschlagen
Ein langer Blick auf das Jahr zurück
Und einen kurzen vorwärts
Bald ist es Mittenacht

Ich habe heute Nacht
Herrn Cohen* gefragt
Was seine Methode sei
Woran er einen Traum* erkenne
und woran eine Vision
Wenn er am Morgen erwache

Sein Schweigen und sein kalter Blick
Waren mir mehr als Antwort
Oder hat er einfach meine Frage nicht verstanden,
und war angewidert vom gestrigen Abend

*Die Bise ist ein trockener, kalter Wind, der kalte Kontinentalluft aus dem Nordosten Europas nach Mitteleuropa
befördert. Der Wind erreicht im Schweizer Mittelland wegen der Kanalisierung durch die Alpen und den Jura seine
größten Stärken im Genferseeraum, wo bei klassischer Bisenlage nicht selten mittlere Windgeschwindigkeiten von
60 km/h und Böenspitzen bis über 100 km/h registriert werden. Am Bodensee ist die Bise schwächer und äußert sich
hier als relativ kühler N-NO Wind mit meist weniger als 6 Beaufort. Auffallend ist auch, dass sich die Bise während
der Nacht legt oder zumindest schwächer wird und tagsüber allenfalls wieder an Intensität zunimmt.Nicht zu
verwechseln ist dieser Wind mit der Brise.

* Die Zwölf Heiligen Nächte symbolisieren auch die zwölf Monate des folgenden Jahres. Wer in jenen Nächten zu
einer Wegkreuzung geht, die Atmosphäre auf sich wirken lässt und auf die Zeichen der Natur achtet, kann Ereignisse
deuten. Wie das Wetter in dieser Nacht ist, so ist es auch in dem zugeordneten Monat. Was man in diesen Nächten
träumt, wird in den jeweiligen Monaten des folgenden Jahres passieren. Träume vor Mitternacht beziehen sich auf
die erste Monatshälfte, die Träume danach auf die zweite Hälfte. In diesen Nächten können die Tiere sprechen. Sie
unterhalten sich über die Toten des kommenden Jahres. Ob die Tiere wirklich sprechen oder ob sich die Götter nur
kurzzeitig in solche verwandeln oder ob die Menschen einfach in dieser Zeit besonders sensibel sind, lässt sich nicht
genau klären. Die im Lied beschriebene Nacht muss also die Nacht des 30. Dezembers sein.
*Gstubete Wii – dieser Wein wurde vor dem öffnen einige Zeit in der Stube gelagert, nicht im Keller. Er kann darum
sofort getrunken werden, seine Temperatur ist angenehm und er muss nicht noch dekantiert etc. werden.

* Gerade in den Nächten des Januar und Februar können Sie den Fuchs im Wald heulen und bellen hören. Dann
sind die Tiere auf Partnersuche. Mehrere männliche Füchse umwerben dabei ein Weibchen.

* Leonard Norman Cohen, (* 21. September 1934 in Montreal) ist ein kanadischer Singer-Songwriter, Dichter und
Schriftsteller.

* Traum und Vision oder Plan: In der Bibel gibt es eine Geschichte über Isaac, wie sein Vater ihn aufforderte,
einen Berg mit hinaufzusteigen, wie der Vater dort einen Altar errichtet, nachdem er nachts in einer Vision
aufgefordert wurde, seinen Sohn zu opfern. Und kurz bevor er diese Opferung vollzog, hielt ihn die Hand eines
Engels davon ab. Heutzutage jedoch werden die Kinder geopfert, und niemand erhebt seine Hand, um das zu
beenden. Davon handelt dieser Song. (Cohen in einem Interview)
Die erste Fassung, die Cohen schrieb und als „Copyright-Demo“ einreichte, trug den Titel „Nine Years Old“ (sein
Vater starb, als er neun Jahre alt war.) Die letzte Strophe geht über die Isaak-Story hinaus und beschreibt
Überlebensszenarien und das Töten unter Brüdern, Feinden, Pazifisten und Soldaten – Cohens Vater starb an den
Spätfolgen einer Kriegsverletzung. In den letzten Zeilen warnt er vor den tödlichen Folgen der Eitelkeit, zu der jede
Art der Uniform beiträgt. Wenn man weitergehend interpretieren möchte, dann will Cohen uns vielleicht darauf
aufmerksam machen, welch tödliche Gefahr in jeder Art von Ideologie und blindem Gehorsam (auch an Visionen)
liegt.